Orgel

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Als Orgeln werden in der Regel Tasteninstrumente mit mehreren Manualen, meistens auch Baßpedal, und/oder einer bestimmten Form der Klangerzeugung bezeichnet. Mittlerweile sind die Grenzen zu anderen Tasteninstrumenten bisweilen fließend, so daß eine scharfe Abgrenzung nicht immer möglich ist.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Grundsätzlicher Aufbau

Die meisten Orgeln besitzen zwei, manchmal auch drei oder mehr in Stufen übereinander angeordnete Manuale. Diese sind so ausgerichtet, daß die derselben Note zugeordneten Tasten von allen Manualen genau übereinander stehen. Bei den Manualen gibt es unterschiedliche Längen, die sich auch auf die Ausrichtung auswirken. Manuale mit 61 Tasten (5 Oktaven) sind nie gegeneinander versetzt, Manuale mit 56 Tasten (4½ Oktaven) nicht immer. Mit Ausnahme einiger Philicorda-Modelle sind 49-Tasten-Manuale (jeweils 4 Oktaven) immer versetzt, ebenso kürzere Manuale. Die kürzesten Manuale wurden in elektronischen Orgeln der Einstiegsklasse in den späten 70er und frühen 80er Jahren verbaut; sie hatten 37 Tasten (3 Oktaven). Da bei zweimanualigen Orgeln in der Regel mit der linken Hand auf dem unteren und mit der rechten Hand auf dem oberen Manual gespielt wird, ist das obere Manual stets gegenüber dem unteren nach rechts versetzt. Gewöhnlich beträgt der Versatz eine Oktave; bei manchen Modellen mit 3½ oder 4½ Oktaven pro Manual kann der Versatz auch eine halbe Oktave betragen.

Typischerweise verfügen Orgeln auch über ein Baßpedal als zusätzliches Manual, das mit den Füßen gespielt wird. Dies kann eine bis zweieinhalb Oktaven umfassen. Somit werden Orgeln auch wie Klaviere meistens im Sitzen gespielt.

Fast allen Orgeln (mit Ausnahme einiger einfacher Hausorgeln) ist gemeinsam, daß der Klang über Register variiert werden kann. Je nach Klangerzeugung werden damit Pfeifengruppen oder elektronisch erzeugte Klänge zu- oder abgeschaltet oder die Lautstärken einzelner Sinus-Fußlagen geregelt. Dabei ist es möglich, eine gewisse Anzahl von Registern gleichzeitig aktivieren zu können. Außerdem können Orgeln für alle Manuale unabhängig voneinander registriert werden, so daß auf jedem Manual einschließlich des Baßpedals jeweils andere Klänge gespielt werden können.

[Bearbeiten] Definition anhand der Bauformen

[Bearbeiten] Pfeifenorgel

Die Pfeifenorgel definiert sich bereits durch ihre Klangerzeugung, die darauf basiert, daß komprimierte Luft über die Tastatur und Register gesteuert durch Pfeifen geschickt wird. Während manche Kirchen- und Theaterorgeln vier oder mehr Manuale haben können, kommen viele Hausorgeln mit nur einem Manual aus und gelten auch ohne Baßpedal als Orgel.

[Bearbeiten] Tonradorgel

Gleichermaßen einfach ist die Definition bei Tonradorgeln wie der Hammond B-3. Auch hier kommt ein Klangerzeugungsverfahren zum Einsatz, das anderweitig nie verwendet wurde. Serienmäßige Tonradorgeln waren zudem schon allein aufgrund des Platzbedarfs der Klangerzeugung und des ursprünglichen Anwendungsgebietes als leichter zu installierende oder gar transportable Alternative zur Pfeifenorgel durchweg mehrmanualig und verfügten über ein Baßpedal.

Durch die Art und Weise, wie bei der Tonradorgel der Klang beeinflußt wird, nämlich durch Mischen mehrerer harmonisch gegeneinander verstimmter Sinusschwingungen ähnlich wie bei der additiven Klangsynthese, halfen die Tonradorgeln mit, spätere Orgelgenerationen zu definieren.

[Bearbeiten] Elektronische Orgel

Mit der Einführung elektronischer Klangerzeugungen wurde die Abgrenzung schwieriger. Neben mehrmanualigen Instrumenten wurde insbesondere für Bands in den 60er Jahren die Comboorgel zu einer nochmals leichter handhabbaren Alternative zur schweren Hammond-Orgel. Viele in dieser Zeit gebaute Comboorgeln hatten aber nur ein Manual und kein Baßpedal. Technisch gesehen basierten sie aber zum einen auf anderen zeitgenössischen elektronischen Orgeln, außerdem fehlte es an denkbaren anderen Klassifizierungen – das Arranger-Keyboard war noch nicht erfunden, und Synthesizer waren noch vollmodular, geschweige denn, daß sie Presets zum schnellen Abruf oder mehrere Stimmen gehabt hätten. Zudem erinnerten die einzeln zuschalt- und mischbaren Register der frühen elektronischen Orgeln an die der Pfeifenorgeln und die Zugriegel einiger Modelle an die der Tonradorgeln, und im Gegensatz zu Synthesizern gab es kaum eine oder überhaupt keine Möglichkeit der Einflußnahme auf die Klangerzeugung.

Die elektronische Orgel entwickelte sich aber weiter, klassische Orgelregister verloren für die meisten Orgelspieler an Bedeutung, nachdem die Orgel zum "Ein-Mann-Orchester" erklärt und von der Industrie als solches angepriesen wurde, was zu einem regelrechten Heimorgel-Boom führte. Manche Orgeln bekamen auch ganze Synthesizersektionen eingebaut, und spätestens mit dem Aufkommen der von der Orgel abgeleiteten Arranger-Keyboards mußte die Definition der Orgel wieder überdacht werden. Nun waren es nicht mehr so sehr die technischen Möglichkeiten, insbesondere die Klangerzeugung, die eine Orgel definierten, sondern es mußten mindestens zwei Manuale und idealerweise ein Baßpedal vorhanden sein. In aller Regel gehört auch das Vorhandensein von separat schalt- oder über Zugriegel regelbaren Sinuschören für alle Manuale in Anlehnung an Tonrad- und frühe elektronische Orgeln zur Definition.

Bisweilen wurden Synthesizer portablen Orgeln optisch auf eine gewisse Weise ähnlich, ohne zu Orgeln zu werden. Sequential Circuits Prophet-10 und Oberheim Eight-Voice haben zwar jeweils zwei Klaviaturen, sind aber Synthesizer, weil sie alle Kriterien für einen Synthesizer erfüllen, dafür aber nur recht wenige (allerdings mitnichten überhaupt keine) einer Orgel, und außerdem als Synthesizer vermarktet wurden.

Sehr schwierig ist andererseits die Einordnung der Yamaha GX-1. Sie ist aufgebaut wie eine Konzertorgel mit zweieinhalb Manualen und Vollpedal und verfügt über keinerlei orgeltypische Register, läßt sich also nicht oder nur mit Schwierigkeiten wie eine klassische Orgel spielen, statt dessen basiert sie auf einer voll programmierbaren Synthesizer-Klangerzeugung und wurde häufig als Synthesizer eingesetzt, weshalb sie häufig als Synthesizer bezeichnet wird. Allerdings hat man auf die Parameter der Klangerzeugung am Instrument selbst nur wenig Zugriff, die Klänge werden über Taster angewählt und können sogar gemischt werden, und neben ihrem Gehäuseaufbau spricht für eine Klassifizierung als Orgel, daß Yamaha sie in die Electone-Produktreihe eingeordnet und ihr sogar ein Rhythmusgerät aus der Electone-Reihe spendiert hat.

[Bearbeiten] Hammond-Clone

Die meisten Hammond-Clones sind nur einmanualig und entsprechen vom Formfaktor her eher einem Keyboard. Sie gelten aber als Orgeln, weil sie hauptsächlich oder ausschließlich den Klang einer Tonradorgel und deren Bedienung mittels Zugriegeln emulieren. Zudem gibt es nur noch wenige andere bedeutende Instrumente, die diese Bezeichnung tragen, nachdem Orgeln für die meisten Alleinunterhalter uninteressant geworden sind und auch die Heimorgel nur noch ein Dasein am Rand fristet und weitgehend vom Digital Ensemble abgelöst wurde.

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