Jazzgeschichte

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Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Vor dem Ersten Weltkrieg (ca. 1890-1920)

[Bearbeiten] Archaischer Jazz (Jazz-Vorformen)

Jazz entstand besonders im Spannungsfeld zwischen Schwarz und Weiß in den USA etwa um 1890-1900, jedoch auch unter Einfluss anderer in den USA vertretener Ethnien, vor allem lateinamerikanischer. Doch hatte und hat der Blues der farbigen US-Einwohner für die Jazzentstehung eine herausragende Bedeutung. Die Zeit vor dem Ersten Weltkrieg, der von 1914-18 dauerte, wird oft mit Archaischer Jazz bezeichnet. Die dazu zählenden Jazz-Vorformen fanden statt als Tanzmusik in den Kneipen (Saloons, Honky Tonks), Musik der Shows (Vaudeville) sowie der Ümzüge auf Straßen, Plätzen oder zu Beerdigungen (Street Bands, Spasm Bands). Eine besondere Rolle spielten New Orleans und sein Hafenviertel, nach dessen Schließung, 1917, viele Jazzbands den Mississippi entlang zogen und von dort aus ihre Musik über die ganzen USA verbreiteten.

[Bearbeiten] Ragtime

Eine wichtige Jazz-Vorform ist der Ragtime, vor allem ein Klavierstil, als dessen bekanntester Schöpfer Scott Joplin (1868-1917, http://www.scottjoplin.org) und seine Komposition "The Entertainer" gelten. Diese wurde zum Titelstück in dem Film "Der Clou" (1980er) sowie dadurch weltberühmt und trug zur Wiederentdeckung des Ragtime bei.

[Bearbeiten] Zwischen Erstem und Zweitem Weltkrieg (ca. 1920-40)

[Bearbeiten] Traditioneller Jazz (1920er)

Jazz begann nach dem Ersten Weltkrieg sich international auszubreiten mit der internationalen Ausbreitung des ökonomischen Einflusses der USA. Bis etwa 1930 entwickeln sich erst der New Orleans Jazz, dann der Dixieland und schließlich der Chicago-Stil. Diese Jazzstile heißen oft zusammenfassend Traditioneller Jazz. Einzelne diesen großen Stilen unterzuordnende Jazzstile wie etwa der Charleston erregten weltweit Aufsehen. Neben ihrer augenfälligen Tanzbarkeit fanden solche Jazzrichtungen in der aufstrebenden Kino-Branche als Filmmusik zu den Slapsticks von Charly Chaplin oder Stan & Laurel Einsatz. Der Klang jener Jazzmusik entspricht zumeist dem Charakter jener Filme. Berühmte Jazzband dieser Zeit sind Louis Armstrong (tp, co, voc) & His Hot Seven (http://louis-armstrong.net, http://www.satchmo.net).

[Bearbeiten] Swing-Stil (1930er)

Etwa von 1930-40 blüht der Swing-Stil, zu unterscheiden von dem Begriff für die besondere Art der Spannung im Jazz (siehe dort, ...Kunst des Improvisierens, der Swing...). Die Ära des Swingstils kennzeichnen die Jazz Big Bands mit durchstampfendem Beat, Massentanzveranstaltungen und Massenbegeisterung. Benny Goodman (cl) & His Orchestra und Hits wie "Sing Sing Sing" oder "Bei Mir Biste Schön", das im Deutschland unter Hitler verboten war, peitschen für damalige Verhältnisse die Massen auf. (Derartig massenhafte Begeisterung wird erst in den 1950ern von Elvis Presley, voc, und besonders in den 1960ern von The Beatles übertroffen). Andererseits erfordert die Größe der Swing Big Bands anspruchsvolle Arrangements, wodurch die Veranstaltungen an Konzertcharakter gewinnen. Das führt zu Spontaneitätsverlust und wieder kleineren Besetzungen, zunächst aber nur als Besonderheit innerhalb einer Big Band. Der Kriegseintritt der USA, 1942, und Einzug vieler Big-Band-Musiker zum Militär setzen den meisten Big Bands dann ein Ende.

[Bearbeiten] Nach dem Zweiten Weltkrieg (ca. 1945-90)

[Bearbeiten] Modernjazz (1940er-50er)

Jazz wurde nach dem Zweiten Weltkrieg mit der internationalen Ausbreitung des politischen Einflusses der USA und ihrem Aufstieg zur Weltmacht zum Mittel internationaler Verbreitung US-amerikanischer Kultur, Wertevorstellungen und Lebensstils. Eine besondere Rolle hierbei spielte der US-Militärsender AFN (http://www.afneurope.army.mil). Zuvor, noch während des Zweiten Weltkriegs, erfährt der Jazz aber einen seiner großen Einschnitte, den schon die Bildung kleinerer Besetzungen quasi innerhalb der Swing Big Bands vorankündigten.

Um 1940 wandelte sich der durchdringend rhythmische und tanzbare Big-Band-Jazz des Swing zum Combo-Jazz, dem man lauschte und den man kaum tanzte. Diese 'Zuhörmusik' ('sophisticated') besaß eine wesentlich größere Dynamik sowie Abstraktheit und viel mehr Spielraum für individuellen Musikausdruck und zum Improvisieren. Diese einschneidend neue Jazzrichtung heißt Bebop als erster der Stile des Modernjazz', mit dem man die nun folgende Stilvielfalt bis etwa Anfang der 1960er umschreibt. Das Klangspektrum reichte von schnell und nervös bis flirrend, federnd, kernig, kühl oder abgeklärt. Es näherte sich teilweise 'Klassischer Musik' an. Man experimentierte mit Einflüssen aus besonders Lateinamerika, doch ebenso Afrika sowie Indien. Man bezog bis dahin ungewohnte Instrumente wie Cello oder Flöte ein. Und mit "Take Five" (Dave Brubeck, p, http://brubeck.info, Paul Desmond, as, 1959) entstand sogar einer der wenigen internationalen Hits des Modernjazz'. "Take Five" war der Gipfelpunkt der im Modernjazz üblich gewordenen ungeraden Taktarten wie etwa 3/4 (Jazz Waltz). Es selbst steht im 5/4 und setzte damit einen Meilenstein für all nachfolgende Musik.

Der Modernjazz brachte sehr individuelle Musikerpersönlichkeiten hervor wie:

Das Newport Jazz Festival, 1958, worüber es einen berühmten Film gibt, gilt als das letzte Jazzfestival des Modernjazz', bevor dieser sich in den Freejazz auflöst. Als letzter Modernjazzstil vor dem Freejazz gilt der Modal Jazz. Zum Modernjazz im einzelnen zählen folgende Stile (ca. 1940-60):

[Bearbeiten] Dixieland-Revivals (bes. 1950er)

Trotz immensen musikalischen Einflusses, jedoch wegen geringer populärer Erfolge wie "Take Five" (Dave Brubeck, p, Paul Desmond, s, 1959) oder "Lullaby Of Birdland" (George Shearing, p, 1952) galt Modernjazz zeitweise als elitär und löste Gegenbewegungen aus. Dazu gehören Entwicklungen des Swing-Stils zu Rhythm & Blues und Rock & Roll oder die Rückkehr zu Traditionellem Jazz, den so genannten Dixieland-Revivals. Diese bescherten Deutschland eine Art Deckung des Nachholbedarfs in den 1950er Nachkriegs- und Wirtschaftswunderjahren an Traditionellem Jazz samt Jazz-Club-Gründungs-Boom sowie Slapsticks samt 'Charly-Chaplin-' bzw. 'Stan-und-Ollie-Musik'. Und jene Revivals wuchsen zum deftigen Ausdrucksmittel mancher Existentialisten ('Sartre & Co'). Berühmt wurden Jazz-Clubs wie die 'Badewanne' und die 'Eierschale' ([1]) in West-Berlin.

[Bearbeiten] Freejazz (1960er)

Während die Modernjazzstile gewissermaßen den an feste Formen gebundenen Jazz auf die höchste Stufe führen, bringen um 1960 Auflösungserscheinungen in den Freejazz den Bruch. Ab etwa 1960 entwickelt sich mit dem Freejazz eigenständiger Europäischer Jazz, der radikaler als US-Freejazz zu völlig freien Spielweisen neigt. Andere Namen für die Hauptepoche des Freejazz zwischen 1960-70, mit denen auch spezielle Freejazzstile gemeint sein können, sind: Improvised Music, Loft Jazz.

Trotz der Forderung nach Bruch mit all überliefertem Jazz und sonstiger Musik stellen sich im gänzlich freejazzigen Spiel doch bestimmte Vorgehensweisen heraus, z.B.: Vermeidung allen Wohlklangs und Vorherrschen des Geräuschs; Einbeziehen der jeweiligen Umgebung, etwa der Saalbestuhlung und des Bühnenbodens; spontane Dichtezunahme und Dichteabnahme des gemeinsamen Spielens; Hörbarmachung sonst Nichthörbaren ('Unerhörtes') wie der Bewegung einer 'Stecknadel im Heuhaufen' mit Hilfe elektronischer Verstärkung.

Ein bekannter Freejazzer ist der deutsche Saxophonist und Klarinettist Peter Brötzmann.

[Bearbeiten] Jazzrock, Rockjazz (1970er)

Die jäh alles verdrängende Beat- und Rockmusik der 1960er vollendet den Bruch, den der Freejazz für den Modernjazz sowie damit ganzen formgebundenen Jazz einleitete. Bis ungefähr in die 1950er Jahre beeinflusste der Jazz die populäre Musik insgesamt nachhaltig. Ab den 1960ern übernehmen Beat- bzw. frühe Rockmusik diese maßgebende Position. In der Zeit um 1960 und in den 60ern erfährt der Jazz dadurch einen so großen Einschnitt wie etwa um 1940, als aus dem Swing-Stil der Bebop und Modernjazz entstanden.

Aber schon in der zweiten Hälfte der Sechziger wirkt die Rockmusik zurück auf den Jazz. Man sehnt sich quasi abseits der Wildheit des Freejazz nach wieder konventionellen Jazzformen. Eine Mischform jazziger Melodien und Akkorde auf rockiger Rhythmus-Basis entsteht als Jazzrock und im Lauf der 1970er ausgefeilt als Rockjazz.

Als wichtige Jazzrock-Rockjazz-Interpreten gelten:

[Bearbeiten] Modernjazz-Revival, New Bop und 'Real Book' (1980er)

Ende der 1970er verstärkt sich auf Basis der Synthesizer die Elektronisierung von populärer Musik allgemein und Jazz im besonderen. Ende dieser 70er entdecken Bands wie V.S.O.P, The Quintet (Freddy Hubbard, tp, Wayne Shorter, ts, Herbie Hancock, key, Ron Carter, b, Tony Williams, d) zugleich den Modernjazz wieder und spielen ihn mit neuen Mitteln, z. B. elektronisch verstärkt, und andere folgen in gleicher Weise. Das 'Real Book', ein zunächst illegales Notenbuch, gibt der erneuten Verbreitung von Jazz- und speziell Modernjazzstandards einen riesigen Impuls. Der Begriff New Bop beschreibt von da an das Spielen überlieferter Modernjazzstücke mit neuartigen Jazzelementen. Als Gegenbewegung zunehmender Elektronik setzt in den 1980ern eine Rückkehr zu herkömmlichen - 'akustischen' - Instrumenten ein. Gleichermaßen, elektronisch wie akustisch, macht sich im New Bop Chick Corea (p, key), http://www.chickcorea.com, einen Namen.

[Bearbeiten] Die Globalisierung (ab ca. 1990)

[Bearbeiten] Avantgardejazz

Die Welt entzweiendes Gegeneinander zwischen USA und Sowjetunion sowie atomare Bedrohung bestehen mit dem sowjetischen Ende, 1990, nicht mehr. Wie ein bunter Teppich scheint die lang verdeckte globale Länder- und Musikvielfalt hervor. Auf dem ganzen Globus, besonders in den boomenden fernöstlichen Ländern wie China, schießen Jazzclubs hoch und vermischen sich mit einheimischer Musik. Diese ungewohnt neue Jazzvielfalt lässt sich über Internet mühelos heranholen.

Die Collage wird zur Jazzform. Alles global Erdenkliche wird bunt zusammengeflickt, zu neuer Klangeinheit zurecht gespielt und ihm so eigenes Leben eingehaucht. John Zorn (as), http://members.tripod.com/~JFGraves/zorn-index.html, spielt mit Band in einem derart entstandenen Stück wie selbstverständlich alle vier Takte einen anderen Musikstil (scherzhaft 'Jazzhack' genannt). Wie John Zorn präsentieren andere Bands aus der 'Knitting Factory', http://www.knittingfactory.com, dem im neuen Trend führenden New Yorker Keller-Club ab um 1990, alles in allen Möglichkeiten: von hartem Rock über flirrendem Modernjazz, Folkmusik, Performance bis hin zu Freejazz und brachialer Musikmischung oder derart miteinander vereint, dass Jazz und ganze Welt in nie gekanntem Maß zusammenrücken. Dafür wird zunächst der Ausdruck 'Globale Dorfmusik' geprägt. Bezeichungen wie Ethnojazz, Experimenteller Jazz und Zeitgenössischer Jazz tauchen auf. Der jedoch ältere Begriff Avantgardejazz hat sich dafür bis heute durchsetzt.

[Bearbeiten] Acid Jazz, Hip Hop Jazz, Jazz Metal

Zwei weitere große populäre Musikströmungen ab um 1990 beeinflussen den Jazz und bilden neue Jazzstile: Einmal führen Rap und Hip Hop, aber auch Rockjazz-Remixe, ab um 1990 zu Acid Jazz oder Hip Hop Jazz. Dann bewirkt der New Rock, so etwas wie ein 1990er Hardrock- oder Heavy-Metal-Revival, ab um 2000 eine Art Jazz Metal. Die Jazzstile ab 1990 sind entsprechend der relativen Kürze der vergangenen Zeit ungenau.

[Bearbeiten] Quellen

[Bearbeiten] Siehe auch

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