EBS-Stereosystem

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Das EBS-Stereosystem beschreibt eine besondere Hauptmikrofonanordnung für die stereophone Tonaufnahme in Äquivalenzstereofonie. Hierbei ist der eingestellte Winkel der Hauptachsen zwischen den Mikrofonen, der Achsenwinkel α mit insgesamt 90° ganz genauso groß, wie der sich ergebende Aufnahmebereich des Mikrofonsystems. Das heißt dieses Mikrofonsystem muss im Abstand so vor dem Ensemble aufgestellt werden, dass die Mikrofon-Hauptachsen genau auf den Rand des Klangkörpers zeigen. Dann wird die Schallquelle gleichmäßig auf der Lautsprecherbasis verteilt - breit und groß von Lautsprecher zu Lautsprecher wiedergegeben.

Durch eine Reihe praktischer Versuche fand man hiermit ein Stereo-Hauptmikrofonsystem, das eine recht gleichmäßige Verteilung der Phantom-Schallquellen auf der Stereo-Lautsprecherbasis (Hörereignisrichtung) ergibt, bei einem wirksamen Aufnahmebereich des Mikrofonsystems von ± 45° = 90°. Dieses System wurde empirisch mit zwei Kleinmikrofonen in Nierencharakteristik festgelegt. Es ergab sich hierbei ein Gesamt-Achsenwinkel, der mit α = ± 45° = 90° nach außen gewinkelt ist und eine Mikrofonbasis von a = 25 cm (!) hat. Für das hier gewählte Wort Achsenwinkel kommen in der Literatur auch Öffnungswinkel, Versatzwinkel und Aufnahmewinkel vor, die teilweise mit dem Aufnahmebereichswinkel verwechselt wurden und manchmal auch nur den halben Winkel darstellen sollen.

Der manchmal wegen der scheinbaren Anschaulichkeit unrichtig zitierte Ohrabstand am menschlichen Kopf ist bei der Stereofonie nicht von Belang, denn dieser Abstand hat in den Lautsprechersignalen absolut keine Bedeutung.

Bei der Bildung der jeweiligen Hörereignisrichtung wirken frequenzunabhängige Pegeldifferenzen ∆ L und gleichsinnige Laufzeitdifferenzen ∆ t als Interchannel-Signale (Lautsprechersignale) zusammen. Diese Aufnahmetechnik wird gemischte Stereofonie oder Äquivalenz-Stereofonie genannt, wobei gleichzeitig die Intensitätsstereofonie und die Laufzeitstereofonie angewendet wird.

Üblicherweise muss dieses spezielle Mikrofonsystem vom Toningenieur aus zwei Einzel-Kleinmikrofonen zusammengesetzt werden. Großkalibrige Doppelmembranmikrofone sollten wegen ihrer unausgeglichenen Richtcharakteristiken und der größeren Phasengänge vermieden werden.

Es erscheint ratsam, selber mit den beiden Parametern Achsenwinkel α und Mikrofonbasis a zu experimentieren.

Durch Stützmikrofone wird eine Tonaufnahme mit einem Hauptmikrofonsystem häufig ergänzt.

[Bearbeiten] Siehe auch

Äquivalenzstereofonie | ORTF-Stereosystem | NOS-Stereosystem | Hauptmikrofon | Laufzeitstereofonie | Intensitätsstereofonie | Interchannel-Signal | Abstandsgesetz | Mikrofon | Decca-Tree | Stützmikrofon | Achsenwinkel | Ohrabstand |

[Bearbeiten] Weblinks

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