Beschallungsanlage

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Eine Beschallungsanlage dient der Wiedergabe und Verstärkung von Sprache oder Musik. Sie besteht mindestens aus Lautsprechern, Mischpult oder Sprechstellen und Verstärker und kann um weitere Geräte zur Signalbearbeitung (Signalverfremdung) ergänzt werden. Beschallungsanlagen werden auch als ELA-Anlage (Elektroakustische Anlage) oder PA-Anlage bzw. PA-System bezeichnet (PA = Public Address, PA für Power Amplifier ist hier nicht gemeint!). Obwohl die Begriffe eigentlich synonym sind, hat es sich eingebürgert, mit "PA" Anlagen zur (mobilen) Beschallung von Konzerten zu bezeichnen, während der Begriff "ELA" hauptsächlich mit fest installierten Anlagen zur Sprach- und Hintergrundbeschallung in Verbindung gebracht wird, etwa in Bürogebäuden, Kirchen, Gaststätten, Wartehallen etc.

PA-Beschallungsanlagen sind Soundsysteme, die überall dort eingesetzt werden, wo man hohe Ansprüche an die Wiedergabequalität von Musik, Sprache und Gesang stellt. Je nach Anforderung kann die PA unterschiedlich zusammengestellt werden. Auch bei hohen Lautstärken muss der Klang immer noch klar und deutlich definiert sein.

Das PA-System ist ein Teilgebiet der Bühnentechnik, sowie der Tontechnik.

Die Aufgabe einer PA Anlage ist es Sprach- oder Musikinformation an ein Publikum zu übertragen. Da einzelne Lautsprecher unterschiedliche Wirkungsgrade und optimale Frequenzbereiche haben, werden Lautsprecher zu Systemen (Arrays) gebündelt, die aus Subwoofern, also Systeme für tiefe Frequenzbereiche unter ca. 100 Hz und Mittel/Hochtönern für Frequenzbereiche über 100 Hz bestehen.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Verwendung von PA-Lautsprechern

Kleine PA-Systeme, die z.B. für Geburtstage, Hochzeiten, Vorlesungen, Bands und andere musikalische Zwecke benutzt werden, stellt man meistens aus 1-4 Subwoofern und 2-4 Mittel-Hochton-Lautsprechern zusammen. Große PA-Systeme, die auf Konzerten, Theatervorstellungen oder in Discos und Zeltfeten zum Einsatz kommen, stellen sich meistens aus mindestens vier Subwoofern und sechs Mittel-Hochton-Lautsprechern zusammen. Die Anzahl der Lautsprecher ist prinzipiell offen, sodass auf großen Konzerten oftmals 40 und mehr Lautsprecher eingesetzt werden. Auf Bühnen werden die Lautsprecher häufig zu Türmen ("Stacks") miteinander verbunden und mit Fluggeschirr an Traversen aufgehängt. Dies verhindert das Überschneiden von Frequenzen, die den Sound negativ beeinflussen könnten.

Oft werden die PA-Systeme auf Bühnenausleger seitlich der eigentlichen Bühne platziert. Diese werden dann als linker und rechter PA-Wing bezeichnet (Wing = Flügel).

Wenn ein sehr großer Publikumsbereich zu beschallen ist, werden zusätzlich oft sogenannte Delaylines verwendet. Dies sind zusätzliche Lautsprecher, die im hinteren Publikumsbereich aufgestellt werden und mit einem verzögerten Signal angesteuert werden, um der Schallgeschwindigkeit Rechnung zu tragen. Sehr wichtig ist dabei die eingesetzte Laufzeitverzögerung, genannt "Delay". Dazu muss der Haas-Effekt und seine Auswirkung bekannt sein; siehe unter Weblinks.

Für die Beschallung der vordersten Publikumsreihen werden häufig zusätzliche Lautsprecher eingesetzt, weil die Hauptsysteme (gerade bei "geflogenen" Systemen) "über die Köpfe hinweg" abstrahlen. Diese Zusatzlautsrecher heißen Nearfill oder Downfill.


[Bearbeiten] Monitore

Zusätzlich zur PA gibt es bei Musikveranstaltungen üblicherweise noch eine Monitor-Anlage, die es den Künstlern auf der Bühne ermöglicht, ihre eigenen Stimmen und Instrumente besser zu hören. Die zusätzliche Beschallung der Bühne ist besonders bei Konzerten in großen Hallen oder bei Open-Air-Festivals notwendig, da die Schallwellen, die von der Hallenrückwand oder entfernt stehenden Gebäuden reflektiert werden, erst mit erheblicher zeitlicher Verzögerung auf der Bühne eintreffen. Durch die Bühnenlautsprecher erhalten die Musiker einen ähnlichen Höreindruck wie das Publikum und können so das Zusammenspiel koordinieren.

Da die Verwendung von Bühnenlautsprechern extrem schwierige Bedingungen für Tontechniker und Musiker darstellt, wird teilweise zum Einsatz von Ohrhörern ("In-Ear-Monitoren", siehe IEM) übergegangen.

[Bearbeiten] Betrieb einer PA-Anlage

Natürlich können solch große Anlagen nicht mit einem handelsüblichen Verstärker betrieben werden, da PA-Anlagen oft eine Leistung von mehreren tausend Watt aufbringen. Hierfür werden in der Regel mehrere Endstufen mit sehr hoher Leistung genutzt, die meist die einzelnen Kanäle (rechts / links) und Frequenzbereiche (Tief- / Mittel- / Hochtonbereich) separat ansteuern. Die komplette PA-Beschallungsanlage wird über ein Mischpult gesteuert, das mit den Endstufen verbunden wird. Das Mischpult enthält noch weitere Anschlüsse für z.B. CD-Player oder andere Abspielgeräte und Anschlüsse für Effektgeräte (Kompressoren, Gates, Equalizer, Enhancer,Frequenzweiche), die alle die Aufgaben besitzen sollen, die Musik und Sprache zu verbessern, zu verstärken, zu entstören, Frequenzen zu verändern und die Höhen und Tiefen hervorzuheben oder abzusenken. Alle dieser Geräte werden in 19-Zoll Einheiten hergestellt, die dann in die dafür vorgesehenen Racks eingeschraubt werden.

[Bearbeiten] Verkabelung einer PA-Anlage

Der Signalweg fängt einerseits auf der Bühne bei den Instrumenten (inkl. Gesang) und den dafür vorgesehenen Mikrofonen an: Hier werden, meist mit XLR-Kabeln, die verschiedenen Signale in eine Stagebox und in ein zum Mischpult führendes Multicore-Kabel oder - bei kleineren Anlagen - direkt über XLR-Kabel ins Mischpult geleitet. Idealerweise sollten XLR-Kabel immer symmetrisch sein, damit sich eventuelle Einstrahlungen gegenseitig auslöschen. Zusätzlich zu den Bühnensignalen werden die weiter oben genannten Signalquellen (CD-Einspielungen etc.) ans Mischpult angeschlossen (meist mit Cinch-Kabeln); die meisten Effektgeräte werden hier über Insert-Kabel (Stereo-Klinkenstecker auf 2x Mono-Klinkenstecker) in den Signalweg eingeschleift.

Das abgemischte Signal gelangt zurück zu den Endstufen (per Multicore/XLR), die idealerweise (aufgrund des Ohmschen Widerstandes der Kabel) in der Nähe der Lautsprecher stehen. Diese werden über Speakon-, früher oft auch XLR-Kabel (die aber anders beschaltet sein müssen als XLR-Mikrofonkabel) mit den Endstufen verbunden.

Moderne Beschallungsanlagen übertragen Audio digital über Netzwerke (LAN, WAN,...), wobei zum Beispiel die Sprache direkt an der Sprechstelle digitalisiert wird, und erst vor dem Verstärker wieder in analoge Signale umgewandelt wird. Dazwischen durchlaufen die Daten zum Beispiel einen DSP oder parametrischen Equalizer.

[Bearbeiten] Besonderheiten

Ein besonderes Augenmerk liegt bei der Live-Beschallung auf der Rückkopplungsfreiheit des Systems.

Da sie oft den Ort wechseln und hohen Schalldruck erzeugen müssen, sind Beschallungsanlagen anders konzipiert als HiFi-Anlagen. PA-Anlagen sind robuster und schwerer und weitaus komplizierter einzustellen als HiFi-Anlagen. Bei Großveranstaltungen werden zum Aufbau so genannte Roadies eingesetzt. Das sind spezielle Techniker, die dazu engagiert werden, die PA-Anlage auf- und abzubauen.

Um in Räumen zeitige Reflexionen und Nachhall zu reduzieren, ist es wichtig, nur die Bereiche zu beschallen, in denen sich Publikum befindet. Dazu werden

  • (meistens vertikal orientierte) Lautsprecherarrays
  • (meistens horizontal orientierte) Lautsprechercluster
  • Waveguides bzw. Hornlautsprecher
  • Stützlautsprecher über Delays angesteuert

eingesetzt.

Weiterhin ist der maximal erreichbare Schallpegel (weshalb im PA-Bereich Lautsprecher mit höherem Kennschalldruck (fälschlich: Wirkungsgrad), meist Horn-Lautsprecher verwendet werden), Betriebssicherheit auch bei permanenter Überlast, Handling beim Auf- und Abbau (Robustheit, Rundecken) von entscheidender Bedeutung.

Obwohl sich die Anforderungen von denen an eine HiFi-Anlage unterscheiden, erreichen einige PA-Systeme durchaus die Wiedergabequalität von Hifi- oder Studiosystemen (insbesondere PA-Anlagen für Opern, Konzertsäle und Filmtheater). Der Gesamtklang einer PA-Anlage ist aber wegen der Vielzahl der möglichen Einstellung nicht unerheblich von den Fähigkeiten des Bedieners abhängig. Zudem unterscheidet sich der Charakter von Live-Musik nicht zuletzt aufgrund der meist höheren Dynamik von der Musikwiedergabe aus Konserven.

[Bearbeiten] Weblinks

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