Arranger-Keyboard

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Ein Arranger-Keyboard ist ein elektronisches Tasteninstrument (Keyboard), das vorwiegend für Solomusiker, z. B. Alleinunterhalter, gedacht ist. Es stellt dem Musiker eine gewisse Auswahl an Klängen zumeist akustischer Musikinstrumente sowie musikalische Begleitfunktionen zur Verfügung und kann somit mit relativ wenig Zutun den klanglichen Eindruck einer ganzen Band erzeugen. Gängig sind auch die Begriffe Personal Keyboard, Homekeyboard, Entertainer-Keyboard (meist je nach Ausstattung und Preisklasse) oder häufig einfach nur Keyboard.

Arranger-Keyboards waren die ersten Nachfolger elektronischer Orgeln.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Tastatur

Die weit überwiegende Anzahl der Arranger-Keyboards verfügt über 61 ungewichtete oder leicht gewichtete Tasten (fünf Oktaven). Bei manchen professionellen Geräten wurden auch entsprechende Tastaturen mit 76 Tasten (sechseinhalb Oktaven) verbaut. Sehr selten sind 88 Tasten mit Hammermechanik wie bei einem Klavier oder auch einem den Arranger-Keyboards artverwandten Digital Ensemble.

Billige Einsteigerkeyboards hatten besonders in den 80er Jahren auch kleinere Tastaturen. Dabei wurden nicht nur Minitasten verbaut, sondern auch die Tastaturlänge auf meistens 49 Tasten (vier Oktaven) verringert. Noch kürzere Tastaturen findet man nur noch bei Kinderkeyboards, Spaßinstrumenten oder Geräten aus der Anfangszeit des Arranger-Keyboards, die zusätzliche Tasten für bestimmte Akkorde links von der Tastatur hatten.

Die Tastatur eines Arranger-Keyboards splitbar, um bei zweihändigem Spiel von den Begleitfunktionen (siehe dort) Gebrauch machen zu können. Diese Teilung kann aber auch abgeschaltet werden, um die eigentlich für die rechte Hand vorgesehenen Klänge ohne Begleitung über die gesamte Tastaturlänge spielen zu können, was den Einsatz eines Arranger-Keyboards beispielsweise in einer Band oder in gewissen Grenzen als Klavierersatz ermöglicht.

Oberhalb des Einsteigersegments sind die Tastaturen von Arranger-Keyboards mittlerweile meistens anschlagdynamisch.

[Bearbeiten] Klangerzeugung

Den Wünschen der Zielgruppe entsprechend, vielfältige Arten von Musik mit wenig Aufwand allein darbieten zu können, ist bei Arranger-Keyboards die Klangauswahl. Im Vordergrund stehen bei den Klängen "Naturinstrumente", also akustische Instrumente wie Piano, Streicher oder Bläser. Aber auch Orgel-, E-Piano- und einige Synthesizerklänge zählen zur Klangauswahl dieser Instrumente.

Die ersten Arranger-Keyboards hatten wie auch zeitgenössische elektronische Orgeln eine rein analoge-subtraktive Klangerzeugung. Diese fiel außerdem relativ simpel aus, denn zum einen mußte die Klangerzeugung polyphon sein, zum anderen sollten verschiedene unterschiedliche Klänge wählbar sein, andererseits aber war der Platz begrenzt, und gewisse Preisgrenzen mußten auch eingehalten werden, um Keyboards attraktiv zu halten. Somit stand also die volle Syntheseausstattung gängiger polyphoner Synthesizer nicht zur Debatte.

Die 80er Jahre brachten dann auch bei Arranger-Keyboards klangliche Neuerungen mit sich. Während Yamaha und auch einige wenige Lizenznehmer zunächst auf FM-Synthese setzten, verbreitete sich besonders ab der Mitte des Jahrzehnts bei anderen Herstellern die Wiedergabe digitaler Samples, die eine größere Originalgetreue bei der Nachbildung anderer Instrumente erlaubte als alle vorherigen Syntheseverfahren. Wie auch bei Orgeln setzten sich Samples zunächst der Einfachheit halber bei Schlagzeug und Percussioninstrumenten durch, innerhalb weniger Jahre allerdings waren die Keyboards vieler Hersteller komplett auf Samples umgestellt. Heutzutage ist dies die einzige bei Arranger-Keyboards verwendete Art der Klangerzeugung, auch weil die Zielgruppen solcher Instrumente keinen Bedarf an anderen Syntheseverfahren haben.

Naturgemäß sind Arranger-Keyboards immer auch multitimbral, können also mehrere Klänge unabhängig voneinander verwenden, aber das Schichten mehrere Klänge in einem Tastaturbereich (zumeist im rechten) ist nicht unbedingt im Einsteigersegment möglich; vielfach kann man hier nicht einmal einen eigenen Klang für den linken Teil der Tastatur wählen, der somit nur der Begleitung zur Verfügung steht. In den 80er und frühen 90er Jahren weit verbreitet war eine monophone Klanggruppe für Soloinstrumente als zweite Klangschicht; diese ist mittlerweile überholt.

Grundsätzlich liegen die Klänge eines Arranger-Keyboards als Presets vor und lassen sich gewöhnlich im Gegensatz zu denen eines Synthesizers nicht bearbeiten, erst recht gibt es keine eigenen Bedienelemente für tiefgreifende Klangbearbeitung. Bei professionellen Geräten wurde diese Möglichkeit um 1987 eingeführt, blieb aber bei den allermeisten Instrumenten eingeschränkt gegenüber dem, was selbst bei samplebasierten Synthesizern möglich ist, und erfordert das Arbeiten in Menüs. Mittlerweile ist es in diesen höheren Preisklassen auch möglich, ganze aufgezeichnete Klänge, sowohl Samples als auch ganze Audiospuren, ins Gerät zu laden und zu verwenden. Als wirklich vollwertige Sampler können Arranger-Keyboards aber nicht verwendet werden.

[Bearbeiten] Begleitfunktionen

Kennzeichnend für Arranger-Keyboards ist das Rhythmusgerät mit Begleitautomatik, das sich einer Auswahl an Rhythmusfiguren (Styles) bedient. Diese decken, um das Instrument flexibel einsetzen zu können, viele Musikstile ab – Pop, Jazz, Latin, Tanzmusik und einiges mehr. Diese sind immer mit Namen versehen. Lange Zeit war ihre Anzahl gering genug, um jedem eingebauten Rhythmus einen eigenen Schalter oder Taster zu geben oder sie zumindest in einer Matrix mit Tastern in zwei Richtungen darzustellen. Gerade in den späten 80ern waren in der Mittel-, später auch in der Unterklasse häufig Keyboards mit genau 100 Rhythmen anzutreffen, die wie die gleichsam 100 Klänge über eine alphanumerische Tastatur ausgewählt wurden. Inzwischen sind auch bei Keyboards niedrigerer Preisklassen die Styles so zahlreich, daß man per Taster nur noch eine Kategorie und den eigentlichen Style über das Display auswählen kann.

Schon früh wurde hier die Möglichkeit von mindestens einer zusätzlichen Variation desselben Rhythmus geboten; heute sind es für gewöhnlich vier Variationen pro Style. Zur weiteren Auflockerung trugen auch Fill Ins (zunächst nur Schlagzeugsoli, später wurde auch die Begleitung beeinflußt), dann davon unterschiedliche Intros und zuletzt wiederum eigenständige Endings bei, wobei letztere nach ihrem Ausspielen das Rhythmusgerät stoppen. Mittlerweile hat sich die Funktion durchgesetzt, mit den Fill Ins zwischen Variationen umschalten zu können, indem jeder Variation ein eigenes Fill In zugeordnet ist.

Die Begleitautomatik, die eine ganze Band oder Kapelle ersetzen soll, wird mit der linken Hand im linken Teil der Tastatur gesteuert. Hier werden entweder die jeweiligen Akkorde voll gegriffen, welche die Begleitautomatik erkennt und daran die Noten der Begleitung anpaßt, oder es wird gar die Einfingerautomatik verwendet, die, wie der Name schon sagt, für Durakkorde nur einen Finger benötigt.

Auch die Rhythmus- und Begleitfiguren liegen in inzwischen großer Anzahl als fertig einsatzbereite Presets vor, die heutzutage mitunter mit einem recht großen Aufwand produziert werden, um den Rhythmen mehr und mehr das Maschinenhafte zu nehmen. Noch in den 80er Jahren wurde aber begonnen, bei höherklassigen Arranger-Keyboards Programmierfunktionen und Speicherplätze für eigene Rhythmuskreationen einzubauen. Externe Speichermöglichkeiten ermöglichten dann den Austausch dieser Rhythmen (und auch von selbst kreierten Klängen, falls dies möglich war), und als Keyboards DOS-formatierte Disketten akzeptierten, war auch der Austausch über den Computer möglich, was endgültig dem kommerziellen Handel mit Styles den Weg ebnete.

In der zweiten Hälfte der 90er Jahre, als Arranger-Keyboards dafür ausreichend Speicherplatz hatten, kamen sogenannte titelbezogene Styles auf, also Rhythmus- und Begleitfiguren, die nicht universell für eine Musikrichtung programmiert waren, sondern bestimmten Musikstücken nachempfunden, die sich besonders häufig im Repertoire von Alleinunterhaltern fanden. Dieses konnte somit mit Bordmitteln des Keyboards sehr originalgetreu nachgespielt werden. Der Nachteil dabei war aber, daß diese Styles eben nur zu diesen bestimmten Songs paßten, zeitweise wurden dabei auch generische Styles vernachlässigt.

[Bearbeiten] Andere Ausstattungsmerkmale

Ein Feature, das bei tragbaren Tasteninstrumenten fast nur Arranger-Keyboards besitzen, ist ein eingebautes, dem Musiker zugewandtes Lautsprechersystem. Von diesen Instrumenten wird erwartet, daß sie praktisch ohne Zubehör sofort nach dem Einschalten voll spielbar sind, somit soll es dem Anwender erspart bleiben, erst Verstärker und Lautsprecher zu beschaffen und anzuschließen. Außerdem besitzen auch Heimorgeln, die zu den Vorfahren der Arranger-Keyboards zählen, sowie einigeDigitalpianos und Digital Ensembles eingebaute Lautsprecher; diese sind dann häufig in ähnlichen Umfeldern anzutreffen. Von wenigen Ausnahmen abgesehen besitzen Synthesizer dagegen keine internen Lautsprecher. Auch die Top-Arranger mancher Hersteller verzichten mitunter auf eingebaute Lautsprecher, da diese ohnehin meistens von Alleinunterhaltern und somit über PA-Systeme gespielt werden.

Auch ein Notenpult ist bei Arranger-Keyboards Standardausstattung, bei Synthesizern dagegen nur sehr selten anzutreffen. Es ist nicht fest montiert, sondern meistens abnehmbar, manchmal auch klappbar, um den Transport des Instruments zu erleichtern.

[Bearbeiten] Sequenzer

Um die Zeit, als bei Arranger-Keyboards eigene Rhythmen programmierbar wurden – mitunter sogar schon vorher –, wurden einige auch mit den ersten Sequenzern ausgestattet. Diese waren zunächst noch sehr einfach, so hatten sie nur zwei Spuren, eine für die linke Hand, eine für die rechte, keine Editiermöglichkeiten, die über das Neueinspielen des ganzen Songs hinausgingen, und Speichermöglichkeiten gab es anfangs auch häufig nicht, so daß man den Sequenzer immer wieder per Hand neu bespielen mußte.

Wirklich interessant für den Musiker wurde der Sequenzer im Arranger-Keyboard erst, als zum einen Songs über Speichermedien wie Speicherkarten oder Disketten ausgetauscht werden konnten und zum anderen mehr als zwei Spuren zur Verfügung standen. Nun konnten beispielsweise zusätzliche Melodielinien aufgezeichnet werden, die dann abgespielt wurden, während der Musiker ein Stück spielte. Letztlich gipfelte dies in der Entwicklung moderner Sequenzer mit zumeist 16 Spuren, die professionelle Arranger-Keyboards sehr in die Nähe von Workstations gebracht haben; man spricht auch von Arranger-Workstations. Über diese werden heutzutage oft und gern sogenannte MIDI-Files abgespielt, die die Verwendung im Gerät eingebauter Styles unnötig machen, weil sie sämtliche Melodie- und Begleitspuren bekannter Songs detailliert nachbilden. Leider führte dies auch dazu, daß es in der Alleinunterhalterszene viele schwarze Schafe gibt, die auf einer abgeschalteten Tastatur Vollplayback betreiben, während der Sequenzer für die gesamte eigentliche Musik sorgt.

Viele Geräte, auch solche, die Alleinunterhalter als Zielgruppe haben, besitzen somit keine programmierbaren Sequenzer mehr, sondern nur noch solche, die fertige Stücke laden und abspielen können. Dafür findet man aber in einigen professionellen Instrumenten zwei getrennte Sequenzer, die es möglich machen, auf DJ-Art schnell oder gar fließend zwischen zwei Songs zu wechseln.

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